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Norwegen im Herbst? Unbedingt!

Die Idee, im Herbst nach Norwegen zu fahren, kam sehr spontan. "Ist das nicht zu spät im Jahr? Viel zu kalt!" war die häufigste Reaktion, als ich vorher davon erzählte. Das kann ich so nicht bestätigen.

Die Temperaturen liegen Anfang Oktober immer noch um die 10-12 Grad, also völlig ausreichend für Touren durch Städte, Dörfchen und die wundervolle Landschaft. Gut - auf ein bisschen Regen ab und zu sollte man schon vorbereitet sein. Aber der hält nie lange an - 5 Minuten heftig, dann ist es schon überstanden. 

 

Mein erster Stopp war Bergen, die zweitgrößte Stadt Norwegens. Als "Tor zu den Fjorden", wie es so schön heißt, und umgeben von seinen sieben Hügeln bietet es eine Kulisse wie im Bilderbuch. Mit der Standseilbahn geht es hinauf auf den Hausberg Floyen; mit einer weiteren Seilbahn kommt man auf den Ulriken, den höchsten der sieben.

Das zauberhafte Viertel Bryggen mit seinen bunten Holzhäuschen versetzt einen zurück in die Zeit der alten Hanse. Es gehört zu Recht schon seit vielen Jahren zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Mein Tipp für Bergen: unbedingt eine Fjordcruise bis nach Modalen machen. Man kommt den umgebenden Bergen und Wasserfällen so nah! Und jetzt im Herbst hingen die Wolken gespenstisch tief über dem Fjord - sehr mystisch!

Start ist an der Zachariasbryggen direkt neben dem Fischmarkt, Dauer etwa 3,5 Stunden.

Und die Stabkirche im Stadtteil Fantoft sollte man sich auch nicht entgehen lassen.

Dass Bergen die regenreichste Großstadt Europas sein soll, kann ich übrigens nicht bestätigen. Glück gehabt!

 

Der zweite Stopp war Stavanger. Ganz nach dem Motto "der Weg ist das Ziel" habe ich mich gegen die kürzeste Strecke von Bergen nach Stavanger entschieden. Man verpasst sonst einfach zu viel!

Also ging es am Hardangerfjord entlang und natürlich über die Hardangerbrücke. Fantastisch der Blick bei der Überfahrt! Ein kurzer Abstecher zum Eidfjord musste auch sein. Weiter ging es entlang des Sorfjord umgeben von den Berghängen der Hardangervidda und dem Folgefonna-Gletscher. Übrigens gibt es hier bei Ullensvang durch die geschützte Lage der sonnenreichen Hänge viele Obstplantagen (Apfel, Kirsche), was ich nicht vermutet hätte. Zur Zeit der Blüte ein wahrer Besuchermagnet. Zur Erntezeit wird direkt an den Straßen vom Erzeuger verkauft.

Die ganze Fahrt über begleiten einen die unzähligen Wasserfälle. Das Highlight ist allerdings der Latefoss, südlich von Odda. Der Zwillingswasserfall stürzt direkt neben der Straße RV 13 an einer Steinbogenbrücke über 165 Meter hinab in die Tiefe. Ohrenbetäubend! 

Das letzte Stück Richtung Stavanger ging dann ab Skare über die E134 und E39, also auf dem kürzesten Weg, zur Fähre von Arsvagen nach Mortavika. Überfahrt unterm Regenbogen - das hat was!

 

Stavanger ist als viertgrößte Stadt Norwegens eine Ecke kleiner als Bergen, aber nicht weniger beeindruckend. Trotz ihrer Größe hat sie sich noch immer eine gehörige Portion Gemütlichkeit bewahrt. Sie liegt relativ flach, ist aber umgeben von Fjorden und hohen Berghängen. Für Wanderfreunde sei hier der Preikestolen erwähnt. Diese karge Felskanzel thront 604 Meter über dem Lysefjord und bietet einen atemberaubenden Ausblick. Allerdings sollte man den Zeitpunkt des Aufstiegs gut planen - zeitweise kommt es vor allem im Sommer zu völkerwanderungsähnlichen Zustände, habe ich mir sagen lassen.

Ich habe mich für eine Wanderung zum Lifjell (282 m, Start Nähe Dale) entschieden. Tolle Ausblicke, unberührte Natur, aber auch nicht ganz unanstregend. Im Sommer bestimmt etwas einfacher zu gehen. Und ich kann nur bestätigen: das Wetter wechselt wirklich sehr häufig. Man sollte auf alles vorbereitet sein. ;)    

Im Stadtzentrum von Stavanger ist man auch zu Fuß schnell an allen interessanten Punkten. Ob die sehr gut erhaltene Holzhaussiedlung in der Altstadt, der Dom, der Hafen oder eines der vielen Museen - alles nur einen Spaziergang entfernt. Zudem gibt es viele Shopping-Möglichkeiten und vielfältige Gastronomie-Angebote. 

Am letzten Tag ging es dann noch an den Strand - ja, richtigen Sandstrand findet man in Stavanger auch! Strahlend blauer Himmel, Wind, Sonne, Kitesurfer.... ein toller Abschluss!

Ehrlich gesagt hat mir Stavanger sogar noch besser gefallen als Bergen.

 

Bei einer Reise nach Norwegen kommt natürlich immer zuerst die Frage nach der Anreise: per Flug, mit dem Auto über Land oder mit der Fähre? Ich habe mich für letzteres entschieden. So legt man ab Hirtshals (Dänemark) bequem über Nacht ein großes Stück Strecke zurück. Ganz entspannt! Die Fahrt am frühen Morgen entlang der norwegischen Küste zwischen den Inselchen ist einfach nur traumhaft! Und man ist mit dem eigenen Auto vor Ort mobil, das ist von großem Vorteil. 

 

Was ist mir als "typisch Norwegen" in Erinnerung geblieben?

  • Kreditkarten - Man zahlt hier fast ausnahmslos alles per Karte. Ob im Pub ein Bier, die Postkarten im kleinen Shop, den Parkautomaten oder sogar die kleine Gebühr fürs öffentliche WC (!)  - alles ohne Bargeld möglich. Geldwechseln ist also quasi überflüssig.
  • Hohe Lebenshaltungskosten - da kostet ein Bier schonmal 7 Euro, ein Standardgericht im Restaurant ab 17 Euro keine Seltenheit. Das muss man halt wissen und in die Reisekasse vorher mit einplanen. Was ist in Norwegen preiswerter als in Deutschland? Kaffee!
  • Sprache: Man braucht sich keinen Kopf zu machen, dass man kein norwegisch spricht, denn jede(r) spricht hier englisch. Und zum Teil hat man tatsächlich den Eindruck, mit Amerikanern zu sprechen. Wow!
  • Familienfreundlichkeit: Man sieht und merkt es an vielen kleinen Dingen, dass die Familie in Norwegen einen besonderen Stellenwert hat. Familien mit drei (und mehr!) Kindern sind daher keine Seltenheit. Da kann Deutschland sich mal ein Scheibchen von abschneiden!
  • Gastfreundlich, herzlich, entspannt und zuvorkommend würde ich die Atmosphäre beschreiben. Man fühlt sich überall sehr willkommen.
  • Elektroautos - noch nie habe ich so viele in einer Stadt gesehen!

 

Sie möchten mehr über Norwegen, meine Erfahrungen dort oder die besuchten Hotels und Orte wissen? Gerne - einfach kurz bei mir melden.

 

(13. November 2019)